knusperfarben

Von Stachelditzchen, Einmachgläsern und Blutegeln

Neulich sprach ich darüber, dass ich als Kind Stachelditzchen gefangen habe. Mit diesem Begriff konnte keiner etwas anfangen. Und tatsächlich – als ich mich vor ein paar Minuten auf die Google-Suche begebe – finde ich keine supertolle Wikipedia-Erklärung. Nur einen Buchauszug von jemandem, der diese kleinen stacheligen Fische auch in der Düssel gefangen hat. Damals.

Auf meinem Fahrradweg des heutigen Morgens kam ich durch Zufall am Hoxbach in Hassels vorbei. Und zack – da war sie – die unbeschwerte Kindheit. Wir müssen so ca. 6 bis 9 Jahre alt gewesen sein. Immer waren wir eine Clique von mindestens fünf bis zehn Kindern aus der Nachbarschaft. Wir zogen rum, spielten im Wald, stöberten im “Alten Haus” und schnappten uns Einmachgläser von Oma, um Stachelditzchen und Kaulquappen zu fangen. Das taten wir am Hoxbach. Dort konnten wir bequem über einen kleinen Abgang hinunter ans Wasser.

Hoxbach Düsseldorf Hassels

Als ich heute feststellte, dass es diesen kleinen Abgang noch gibt, stellte ich sofort das Fahrrad zur Seite und ging hinunter. Verrückt. Noch genau so toll schimmernd und klar. Ich erinnere mich an die nackten Füße im Schlamm. Diesem Schlamm haben wir nie recht getraut. Er sieht relativ fest aus. Ist aber irgendwie schleimig und quabbelig. Haha. Iiiiihhhh. War uns egal. Wenn wir bis zu den Knöcheln im Schlamm steckten und mit kleinen Fangnetzen ruhig auf die Stachelditzchen warteten war es einfach spannend und der Jagdinstinkt siegte über alles. Auch über die kleinen Blutegel, die sich manchmal zwischen den Zehen wieder fanden. Iiiiiih … aber egal. Die pulten wir einfach ab ehe wir die Socken wieder anzogen. Fall wir überhaupt Socken trugen. Oder Schuhe.

Diejenigen unter uns, die Schisser waren, hatten natürlich Gummistiefel an. Pfffft. Gummistiefel. Ne. So ging das nicht mit den Stachelditzchen. Viel zu auffällig. Außerdem konnte man, wenn der Schlamm nicht ganz so tief war, mit den Zehen wackeln und so Kaulquappen anlocken. Die dachten dann wahrscheinlich, es seien Artgenossen. Dumm gelaufen.

Und so hatten wir immer eine tolle Zeit am Hoxbach. Unsere Beute trugen wir stolz nach Hause. Ich habe bis heute keine Ahnung, was Oma jedes Mal mit ihnen gemacht hat.

Damals gab es keine Helikopter-Eltern. Keine Beaufsichtigung rund um die Uhr. Wir mussten rein, wenn es dunkel wurde. Ach nein. Wenn die Laternen angingen. Dann aber zügig. Was für ein Leben. Kindliche Unbeschwertheit zwischen Stachelditzchen und Blutegeln. Im Wald. Zwischen Getier und Mücken. ALLEIN. Und nie ist was passiert.

Und wo wir gerade dabei sind – ich ging in eine Gemeinschaftsgrundschule und meine Freunde hießen Derya, Cescin, Nermin und Achim. Auch Sabine, Annette und Nicole. Ich lernte sowohl die jugoslawische Küche als auch stolze Türkinnen kennen. Jaja. So war das damals. Und alles, was ich damals “irgendwie doof” fand, ist heute die Summe aller Dinge, die ich bin. Und die ist ganz großartig. Lasst eure Kinder also einfach mal im ollen Schlamm Stachelditzchen jagen. :-)

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