knusperfarben

Kritik und Ebenen. Was machen wir hier eigentlich?

Ein Thema, so alt wie der Wald: Kritik.

Kritik gekonnt üben ist genau so schwierig, wie sie annehmen.

Ich weiß nicht, ob ich es kann. Üben und annehmen. Aber ich bemühe mich.

Mein letzter, eher mal so dahin geschriebener Blogpost handelte unter anderem von meiner Abneigung gegen gewisse Aktionen auf Fotoblogs und im Social Network. Da meldete sich -leicht angefressen- der Stilpirat zu Wort und ich fragte mich, warum gerade er? Warum gerade er, der nach meiner bescheidenen Meinung nach nun wirklich einen guten Blog pflegt. In dessen Beiträgen ich durchaus auch schon mal kritische Anmerkungen finde. Er, den ich als so ziemlich einzigen Blog als Inspirationsquelle und technisches Hilfswerk verstehe. Einen Blog, von dem ich mich nicht von oben herab behandelt fühle und vor allen Dingen nicht verarscht.

Hm. Knusperfarben ist klein. Hat nix zu melden in der Blog-Welt. Was also ist los? Leider hat er auf diese Frage noch nicht geantwortet. Mein kleines Hirn läuft aber immer noch auf Hochtouren und grübelt, was das Zeug hält.

Nicht nur über seine harsche Reaktion, sondern auch über meinen Post. Warum nerven mich diese Adventskalener-Gedöns-Geschenke-überall-Beiträge so sehr?

Ich beschäftige mich beruflich natürlich viel mit Fotografie. Arbeite mit Fotografen. Und zwar mit solchen, die es rein beruflich machen, keine Blogs führen und aus einer völlig anderen Richtung kommen. Ich bin Artdirektorin, entwickele die Bildidee und briefe die Fotografen. Ja. So weit, so gut. Ganz normaler Job. Alltag.

Aaaber … das gilt ja nur und ausschließlich für mich. Und das vergesse ich oftmals. Dies gilt nicht für die vielen Hobbyfotografen, die gerade lernen, wie sich Bildideen entwickeln können, wie das Licht gesetzt werden muss und und und. Vielleicht keimt gerade bei mir so etwas wie eine Übersättigung auf. Vieles erscheint mir irgendwie anders schon mal gesehen oder gelesen. Und vielleicht ist es wie in der Modebranche. Irgendwann kommt jedes Jahrzehnt wieder zum Vorschein. Oder wie in der Musik/dem Film. Remakes werden immer gern genommen. Nur wissen die jungen Leute meist überhaupt nicht, dass es diese/n supertolle Lied/Film schon einmal gab. Das wissen nur die „Alten“. Trotzdem kommt es auf die Qualität an. Ein schlechtes Remake wird es kaum weit bringen. Wo hingegen ein gutes Remake sogar die „Alten“ beigeistern kann.

Ich habe außerdem versucht, die Fotografen und Foto-Blogs nur für mich persönlich in Ebenen einzuteilen.

Die oberste Ebene sind für mich die Fotografen, die ihren Lebensunterhalt damit verdienen. Die es von der Pieke auf gelernt haben. Sie führen keinen Blog aber sie zeigen Referenzen. Und wie ich aus diversen Unterhaltungen mit ihnen raushören konnte – sie werden sich auch nie mit einem eigenen Blog befassen, weil es für sie total unwichtig ist. Sie verfügen über einen Kundenstamm und bewegen sich allerhöchstens im SocialWeb. Allerallerhöchstens. Mit ihnen arbeite ich im Alltag und von ihnen lerne ich durch „betrachten“ und gezielte Fragen.

Die zweite Ebene sind die Fotografen, die ihren Lebensunterhalt damit verdienen aber es nicht unbedingt gelernt haben (Ausbildung usw.). Sie hatten vielleicht einen steinigeren Weg, sind aber nach allen Seiten offen. Sie geben ihr Wissen auf ihren Blogs weiter. Hierzu zähle ich z. B. Kwerfeldein oder den Stilpiraten.
Auch z. B. Spürsinn zählt für mich dazu. Obwohl es hier anders herum kam. Der Shop entstand aus der Leidenschaft für Fotografie und das Wissen ist so geballt und speziell, dass mir oft der Kopf raucht, ich aber schlauer bin als vorher. Korrigiert mich, wenn ich Quatsch erzähle.
Trotzdem gilt für diese Ebene eins: ich werde nicht allein gelassen und kann nachfragen. Immer. Ich bin damit noch nie vor die Wand gelaufen und dort tummeln sich nicht die Vollidioten der Branche.

Die dritte Ebene ist für mich die Spaß-Ebene. Hierzu zähle ich z. B. Marc von Martial und Boris Weishaupt. Hier wird experimentiert, was das Zeug hält, es werden Bilder gepostet, die die Betreiber für zeigenswert halten, es wird diskutiert und auch Kritik geübt. Es geht um Analog und Digital und beides wird am Leben gelassen. Diese Blogs sind etwas vielfältiger und für mich gerade durch ihre „Unprofessionalität“ oftmals höchst interessant, weil sie auf meiner Augenhöhe stattfinden.

Alles, was darunter angesiedelt ist, ist für mich persönlich nicht mehr relevant. Das WAR es einmal. Keine Frage. Dafür könnt ihr mich jetzt „snobby“ schimpfen aber es interessiert mich einfach nicht mehr, wenn Hochzeitsfotograf X eine Hochzeit auf Schloss Y geshootet hat. Und ich bitte dies jetzt nur als Platzhalter zu betrachten. BITTE! Ich spreche hier von einem fiktiven Fotografen.

Leider fühlt sich gerade die letzte Ebene immer häufiger dazu berufen, diese Gedöns-Aktionen recht planlos durchzuführen. Adventskalender, Preise, die die Welt nicht braucht (oder nur ich nicht, keine Ahnung), Lobhuddeleien in Form von verschleimten Verlinkungen und und und. Es geht mir auf den Geist. Ich versuche, mich darum herum zu winden und es führt momentan dazu, dass ich kaum noch Empfehlungen ausspreche oder verlinke, weil es mir selbst zu blöd vorkommt. Wie kann ich meinen wenigen Lesern klar machen, dass mich manche Sachen einfach faszinieren ohne dass ich die Aufmerksamkeit des Verlinkten auf mich richten möchte? Ich glaube, das klappt nicht. Und will ich nicht auch etwas Aufmerksamkeit? Ja doch. Natürlich. Ich möchte ja etwas weiter geben. Ansonsten würde ich weiterhin meine Tagebuch analog führen (wie schon einmal angemerkt).

Ich möchte versuchen, meinen Blog ehrlich und konstruktiv zu halten.

Ich werde weiterhin sagen, wenn mich etwas stört. Eigentlich mache ich das viel zu selten. Wir leben ZUM GLÜCK in einer zensurfreien Zone. Und wenn ich der Meinung bin, dass mich Klickzahlen als Otto-Fast-Normal-Verbraucher so üüüberhaupt nicht interessieren, dann erlaube ich mir, dies hier zu schreiben. Denn ich bin glücklicher Weise nicht abhängig von irgendwelchen Sponsoren, die mir den Geldhahn abdrehen könnten. Ich bin an Inspiration und Meinungen interessiert. Nicht mehr und nicht weniger.

Wenn ihr das alles, was ich so gar nicht mag super findet … ok. Alles gut. Könnt ihr mögen, darüber schreiben, Likes und + vergeben. Ihr könnt lobhuddeln, wie damals in der FC (danke Aebby für den Hinweis – du hast vollkommen Recht). Manchmal geht in den Blogs ja auch die Toleranz flöten, weil jeder denkt, er sei das Mass aller Dinge. Nun, ich bin es nicht. Und ich weiß das. Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Jeder darf sich zum Honk machen. Bleibt einzig die Frage, ob es zielführend ist.

Mein Fazit des ganzen Brimboriums ist, dass ich vielleicht vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehe.
Die Reduktion auf das Wesentliche muss her. Ich bin im Beruf und Hobby gut genug, dass ich mir nicht mehr jeden Scheiß ansehen muss.

Die Ausgangsfrage bleibt aber noch. Warum meldet sich jemand wie Steffen auf meinen kleinen Blogpost?
Vielleicht, weil er 100%ig hinter seiner Sache steht und sich nicht ans Bein pinkeln lassen will und er seine Leidenschaft ernst nimmt? Vielleicht habe ich ihn auch nur falsch eingeschätzt. Passiert mir nicht oft aber doch manchmal.
Und warum will ich überhaupt, dass er mich versteht?
Das ist einfach. Weil ich seine Arbeit mag und respektiere.
Lobgehuddelt, sagt ihr? Seht das, wie ihr wollt. In jedem Fall dann zumindest aus Überzeugung und ohne Verlinkungen.

 

20 thoughts on “Kritik und Ebenen. Was machen wir hier eigentlich?

  1. das bedeutet, dass all diejenigen ihre Arbeit im Blog zeigen, die es eben nicht von der Pieke auf gelernt haben. Also führen nur diejenigen einen Blog, die es ‘nötig’ haben deiner Meinung nach. Mir fehlt hier eindeutig eine Ebene. Und zwar dies derjenigen, die es sehr wohl von der Pieke auf gelernt haben und dennoch Lust auf einen Blog haben? Ich denke an Otto Schulze, David du Chemin, dem Travel Junkie und von mir aus Murat Aslan? Ziemlich erfolgreich, und ziemlich professionell. Und das heißt auch, dass du diejenigen nicht ‘ernst’ nimmst was ihre Arbeit angeht, oder?

    • Heike, ich gebe dir Recht. Diese Ebene könnte man noch berücksichtigen. Der Vollständigkeit halber. Wo das “nicht ernst nehmen” herkommt, weiß ich jetzt nicht. Ich dachte, ich hätte klar gemacht, dass ich eine ganze Menge ernst nehme.

  2. Spaßebene gefällt mir. Das ist nänmlich genau das, was ich in der Fotografie erlebe und auch transportieren will. Danke ;)

    Zum eigentlichen Thema: Der gemeinsame Nenner aller genannten Ebenen ist die von Dir eingangs genannte Krux mit der Kritikfähigkeit. Da geben sich Profis, Semiprofis und Fußvolk nun mal wenig. Das schmerzt im Zweifelsfall und wenn das dann noch zur Unzeit kommt und geplante Marketingaktionen “torpediert”, nervt es möglicherweise. Wir haben doch alle schon erlebt, wie eine Brise sich zum kapitalen Sturm im Netz entwickelt hat, weil wir alle schick vernetzt sind und es eben gar nicht so sehr drauf ankommt, wie groß oder klein ein Blog ist. Keine Ahnung ob das entsprechende Ängste schürt, aber möglicherweise ist Vorsicht die Mutter der Porzellankiste…

    Ganz abgesehen davon ist teilweise erstaunlich, welcher Personenkreis sich aufgrund pauschalierter Aussagen angesprochen fühlt. Ich geh ja auch gerne mal mit ein wenig Nörgelei auf die Nerven und finde es jedesmal erstaunlich, wenn sich dann Leute zu Wort melden, auf die ich im Leben nicht gekommen wäre und definitiv nicht im Sinn hatte…

    • Freut mich, dass dir die Spaßebene zusagt. :o)
      Naja … manchmal schreibt man etwas, was für andere einen völlig contrairen Sinn ergibt. Es bleibt spannend.

  3. Ich kann Deine Meinung nachvollziehen und finde es auch manchmal seltsam, wie sich Blogs bzw. Blogbetreiber plattformübergreifend gegenseitig abfeiern.
    Aber das entscheidende Argument ist und bleibt: Niemand zwingt uns, das anzugucken. Wenn es mich nervt, klick ich es weg. Das ist meine Form der Reduktion.

  4. Du kritisierst die Verlinkung? Wow. Ich kritisiere, dass Verlinkungen in der Blogosphäre abgenommen haben. Massivst. Jeder kocht nur noch sein eigenes Süppchen, gönnt dem anderen nur wenig bis gar nichts aus Angst, evtl. einen seiner Leser, pardon, evtl. ein Google-Klickviech verlieren zu können (denn die Stammleser freuen sich über sowas!). Und das ist unglaublich schade, machts ja schließlich nicht einfacher, neue, tolle Blogs zu entdecken. Ich habe bei mir wieder eine Blogroll eingeführt, gerade weil ich möchte, dass diese Blogs dort Aufmerksamkeit kriegen. Wenn ich einen Beitrag sehe, der mir gefällt, dann verlinke ich ihn, gerade weil ich möchte, dass er Aufmerksamkeit kriegt.

    • Ich kritisiere nur Hohlbrotverlinkungen. Verlinkungen der Verlinkungen und der Aufmerksamkeit wegen.
      Hallo lieber Verlinkter … schau, ich habe dich verlinkt und ich weiß, dass nun meine Webseite in deinen Webanalysen auftaucht.
      Und normalerweise mache ich auch die Verlinkungen in meine Texte. Ich empfand es nur als schräg, hier zu verweisen. Die Blogs, die ich erwähnt habe, befinden sich natürlich auch in meiner Blogroll. ;o)

  5. Was bin ich? Auf keinen Fall ein Spaß-Knipser, und dennoch habe ich nie eine Fotolehre absolviert. Verstehe mich als Autodidakt, der mit Hilfe von VDAV-Foto-Clubs gut ausgestattete Fotolabors zur Verfügung hatte. 1967/68 habe ich einen der Hauptpreise beim Deutschen Jugendphotopreis gewonnen, und zwar in dem Jahr, in dem Hans-Jörg Anders 1. Preisträger war und vom Stern übernommen wurde.

    Ich fotografierte 1968 für Christo auf der documenta 4, war also “Autor” eines Fotobandes. Studierte ab 1968 in Hamburg an der Kunsthochschule Fotografie, und da mir die Hamburger Werbeagenturen und der bloße Bildbetrieb derart unsympathisch waren, wechselte ich zur Uni – mit der Gelegenheit, noch etliche Jahre für den Architekten Jos Weber Fotos zu machen.

    Mit Fotografie habe ich nie meinen Lebensunterhalt bestreiten können oder wollen, habe mich nie als Profi verstanden, obwohl ich Ende der 80er und Anfang der 90er noch Fotografie an der HBK in Kassel lehrte.

    Ich gehöre entweder keiner Deiner Ebenen an oder allen, denn ab und an macht Fotografieren auch Spaß – beziehungsweise: man kann mit Hilfe von Fotos auch Witze machen.

    • Mein lieber Klaus … du willst dich doch wohl nicht freiwillig in eine Schublade stecken? Hast du jetzt tatsächlich darüber nachgedacht? Das nehme ich dir nicht ab. Wir schreiben uns jetzt schon so lange Jahre und ich dachte, wenn sich einer in KEINE Ebene/Schublade stecken lassen will, dann Klaus.
      Du bist einer der vielseitigsten und belesensten Menschen, die ich kenne. Fang jetzt nicht an, dich irgendwo einordnen zu wollen.
      Das da oben sind doch nur meine persönlichen Orientierungshilfen. Beispiele, an denen ich mich lang hangeln kann.

  6. Tanja, wolltest Du das nicht alles vom Glühweinstand betrachten? ;-) Prostend?

    Prima! Drei Absätze hatte ich dazu geschrieben, unter anderem über mein Bestreben, auch das Dings mit dem Spaß zu machen, über die Glücksspielgeißel, die mich dazu zwingen würde, Jerikos Blog durchzuflusen, auf der Suche nach Fragen, deren richtige Beantwortung mir vielleicht (sic!) eine neue Backup-Kamera einbringen würde. Ich schrieb über Trolle, über Martin, Steffen und ein Boot, über Weihnachten und Nächstenliebe nicht, über Feedreader, twitter und Google+ und am Ende wollte ich doch nur sagen, dass man es mit der Ernsthaftigkeit auch übertreiben kann, die geht dann oft schnell über in Halbwissen und Klugschiesserei …

    Habt also Spaß an der Fotografie, macht euer Ding, lasst euch inspireren. Zeigt was ihr macht, steht dazu und benutzt den Zeigefinger zum auslösen und weniger, um ihn zu erheben.

    Irgendwer beißt ihn vielleicht ab!

    • Äh … damned … stimmt. Glühwein.
      Den hatte ich gestern Abend nicht zur Hand.
      Ich habe aber auch nicht vor, mir etwas abbeissen zu lassen. :o)
      Wenn ich für mich klar habe, was wichtig ist, werde ich auch wieder Spaß haben und die Finger nützlicher einsetzen. Für den Moment und heute musste ich das raus lassen.

  7. > Warum meldet sich jemand wie Steffen auf meinen kleinen Blogpost?

    Ich kann nicht für Steffen antworten, ich kann es nur für mich beantworten und eine Vermutung äußern. Ich fühle mich von kritischen Stimmen leicht angesprochen. Wenn ich meine Aktivitäten selbst hinterfrage, mir kritische Fragen selbst stelle, trifft es mich schon wenn ich ähnliche Frage andernorts lese, der Gedanke “bin ich gemeint” schleicht sich da leicht ein … vielleicht fühlen sich deshalb manchmal die Falschen angesprochen.

    Es mag sich vielleicht nostalgisch verklärend anhören, die gute alte Zeit der Bloggerei ist vorbei. Ich denke gerade an die Prä-Wordpress-Ära, als auch Google noch ein Newcomer war. Finanzielle Aspekte waren da völlig außen vor, heute sind die Blogs ohne jeglichen finanzielles Interesse zur Minderheit geworden. Eine gewisse Professionalisierung verändert die Denkmuster. Ich möchte das hier einfach als Beobachtung verstanden wissen, wie die Professionalisierung zu bewerten ist möge jede(r) für sich bedenken.

    Ich lese heute noch Blogs, wenn mich die Themen interessieren UND ich den Mensch dahinter wahrnehmen kann. Gerade das zweitere ist mir bei vielen Blogs in den letzten Jahren zunehmend schwerer gefallen. Aber das führt jetzt zu weit vom Thema Deines Beitrages weg.

    viele Grüße von Ebene 7 ;-)

    • Hallo Aebby.

      Sicherlich fühlen wir uns alle bei so etwas angesprochen.
      Ich habe eine Antwort von Steffen erhalten, die ich in Teilen nachvollziehen kann aber hier nicht veröffentlichen werde, weil es eben in einer persönlichen Nachricht erfolgte. Wenn seine Zeit es zulässt, kann er sich ja hier öffentlich äußern.

      Neulich diskutierte ich über die Zukunft von Blogs. Ich bin mir da noch nicht sicher. Wahrscheinlich wird sich die Spreu vom Weizen trennen. Die Guten überleben oder strukturieren sich um, während die Mehrheit im Blogwald untergeht.
      Das ist ja auch durchaus eine “normale” Entwicklung. Und es führt überhaupt nicht vom eigentlichen Thema weg. Im Gegenteil. Es wird eine Konsequenz sein. Vielleicht öffnen sich aber neue Wege. Ich bin ja Optimistin. :o)

      Und mir geht es wie dir. Wenn die Menschlichkeit flöten geht, ist der beste Blog nichts mehr Wert. Dann lese ich ihn nicht mehr.

      Ich hätte übrigens ein anderes Wort als “Ebene” wählen sollen. Daran scheinen sich so einige zu stossen. Es ging mir hier um eine persönliche “Einteilung”, die keine Hierarchie, sondern eine Clusterung/Bausteine (gern nebeneinander geparkt) aufzeigen sollte. Und zwar nur für meine persönliche innere Hygiene.
      Außerdem ging es mir speziell um Foto-Blogs.

  8. hi tanja.

    ich verstehe das alles ganz gut, was du da an unmut aeusserst.
    stell dir vor, ich schreib sogar grad an einem eigenen, sehr langen text darueber.

    es hat nichts mit arroganz oder snobismus zu tun, wenn du merkst, dass dein eigener behaelter langsam voll ist.
    du stellst dich damit nicht ueber andere. du bist gewachsen, und jetzt weisst du besser, was du magst, was du nicht magst, und wieviel du ueberhaupt ertragen kannst.

    erinnere dich an den anfang. du warst sehr praesent, hast ueberall reingeguckt, wolltest alles mitkriegen, nichts verpassen. und du hast dich baerig gefreut, wenn einer der großen, alten sich mit dir befasst hat, dir zurueckschrieb, wenn es einen austausch gab mit einem, zu dem du aufschaust.

    so langsam hast du dich – durch sympathie oder sachkenntnis, humor oder einfach durch die guete deines werks – hochgearbeitet in diesem web, und irgendwann faellst du wahrscheinlich oben wieder heraus aus dem internet.

    mir geht das auch so, dass ich sehr sehr wenig von dem, was mir auf fb oder gugelplus gezeigt wird, ueberhaupt noch anschauen mag. da muss ich meine filter anpassen, denn wir muessen uns mittlerweile vor bildern beschuetzen. auch unter unseren eigenen bildern gibt es genug leute, die einfach nur schreiben, weil sie ihr dickes dummes (objektiv-)rohr da zu gern mal reinhalten wuerden. das kann es einem auf dauer schon etwas versauen.

    meine reaktion war, mich zurueckzuziehen, denn ich mag dieses selbstmarketing nicht, das versucht, etwas ohne ordentliche substanz dahinter zu verkaufen, ohne die selbstreflexion und dezenz, dass es die penetrierten vielleicht kaum interessiert. bilderspam. wir sind nicht mehr in dieser position auf der leiter, deshalb nervt es.

    diese anderen menschen duerfen das machen, da, muessen es machen, denn wo sie stehen, brauchen sie ja feedback, um sich zu entwickeln. aber sie koennen nicht erwarten, dass uns die bilder ihres 2. mehr oder weniger geglueckten fotojobs interessieren.

    die menschen, denen du ueberhaupt zuhoerst, auf die du ueberhaupt etwas gibst, werden weniger, aber – anders als fuer die anfaenger, die noch krampfhaft dabei sind, ihre kreise zu erweitern – ist das nicht schlimm.

    das ist wie wein trinken. ich kann jetzt keinen asti spumante mehr trinken so wie mit 16. trotzdem verkaufen die die ploerre weiter, natuerlich. denn es gibt genug leute, die den unterschied noch nicht kennen. aber ueber die qualitativen unterschiede von asti zu barolo zu diskutieren macht ueberhaupt keinen sinn. und das geschieht in den communities und auf den selbstvermarkter-blogs, und das stinkt.

    was willst du jemandem sagen, der sich vor drei tagen eine cam gekauft hat und jetzt schon bei flickr einen laengeren fotostream hat als ich? vor allem, wenn er dich direkt fragt? du ertappst dich immer mehr bei gedanken wie: ja, vor 10 jahren war das fuer mich auch noch wichtig, oder: komm du mal in mein alter, dann sehen wir, ob du immer noch die gleichen sachen gut findest.

    sich seines weges bewusst zu sein, hat nichts mit snobismus zu tun, auch wenn es fuer die anfaenger natuerlich so aussieht. ich halte es mit klaus kinski: niveau sieht nur von unten aus wie arroganz.

    lg ruedi

  9. Rüdi, an mein Herz! Mit Schmackes.
    Du hast es genau so verstanden, wie ich es mir gewünscht hätte.
    Ich freue mich, dass du es so ausführlich kommentiert und gut auf den Punkt gebracht hast. Ich bin da komplizierter und man versteht mich öfter schon mal falsch. Liegt wohl an meiner Schreibe. :o)
    Ansonsten bin ich gerade sehr gerührt, weil du mich an die Anfänge erinnert hast. Ja, so war es. Und ich bin sehr froh, dass die meisten “Großen” geantwortet haben. Ich war aber auch ehrlich interessiert und wollte nicht schleimen. Vielleicht kam das rüber. *harr
    Bei mir war es übrigens roter Krimsekt. Pfoah …
    Jetzt lese ich das da oben noch mal durch und freue mich auf deinen Artikel dazu. Falls du ihn im Web veröffentlichst … :o)

  10. haha, aufn punkt, von wegen, den punkt hab ich ganz vergessen. also:

    du sierhst dich damals, klein und hoeflich und froh ueber input. und jetzt siehste da diese anderen, die an diesem punkt sind, aber sie sind gar nicht so nett. sie sind besserwisserisch und doof und traege und zynisch, und warum? weil sie versuchen, mit ihrem leben eben irgendwie klarzukommen. erst spaeter, wenn alles etwas cooler wird, koennen sie sich zuruecklehnen und freuen und auch mal was von anderen gelten lassen.

    will sagen: wahrscheinlich haben wir damals auf die großen auch einigermaßen nichtverstehend gewirkt. und hatten einfach glueck, wenn sie sich auch mal mit uns beschaeftigt haben.

    mir ging das in der schule schon so. bis zur 11. klasse dachte ich, scheisse, endlich in die oberstufe, dann werde ich respektiert und kann die unterstuefler so piesacken wie mich die alten damals. und dann kommste in die oberstufe und was ist? die unterstuefler sind alles freche rotzloeffel, keinen funken respekt haben die uns gezollt.

    ich sga bescheid mit dem artikel, haha, der wird sicher voll aufn punkt wieder =)

  11. So, besser spät als gar nicht kommentieren :)
    Ich kann das alles voll nachvollziehen Tanja, habe mir selber des öfteren da meine Gedanken gemacht. Wir sind da zum größten Teil einer Meinung :). Meine feedreader sieht auch was anders aus als noch vor einem Jahr, diese Weiterentwicklung ist normal und nichts dessen man sich schämen muss. Das ist wie olle Bücher aus dem Regal entfernen. Es gibt Blogs die ich neu entdeckt habe und die mich begeistern, weil dort was passiert, egal ob klein oder groß. Es gibt Blogs die ich seit langer Zeit mit wachsender Begeisterung lese (jeriko z.B) und Blogs die für mich uninteressant geworden sind, auf denen ich kaum noch kommentiere bzw. die ich gar nicht mehr lese. Da sind auch “große” darunter. Man entwickelt sich halt weiter. Nichts dessen man sich schämen müsste.

    Aber ich halte es auch mit Christophs Kommentar, die Missgunst wächst, das Gefühl habe ich auch. Ich für meinen Teil verlinke gerne und viel. Aber auch nur wegen des besseren Google Rankings ;) (scherz). Genauso habe ich aber auch das Gefühl das das Abfeiern untereinander wächst, manchmal wirkt es schon eigenartig.

    Oh, und das ich mit Boris in einem Satz genannt werde ehrt mich sehr. Da gehöre ich nicht hin, also schon auf die Spassebene, zumindest was das bloggen angeht. Aber nicht auf eine Ebene mit Boris ;)